67 % aller Frauen bei der belgischen Armee machen während ihrer soldatischen Laufbahn negative Erfahrungen in Form von unerwünschten sexuellen Belästigungen bzw. mit grenzüberschreitendem Verhalten. Dies ist aus einer Studie ersichtlich, die das belgische Verteidigungsministerium selbst in Auftrag gab.
#MeToo bei der belgischen Armee? 67 % aller Soldatinnen machen negative Erfahrungen
MeToo betrifft bei der belgischen Armee bei weitem nicht nur einige wenige Soldatinnen oder weibliche Angestellte, sondern ist weitverbreitet. Sexistische Bemerkungen, Voyeurismus oder ungewünschte Berührungen sollen nicht unbedingt selten sein, denn nicht weniger als 67 % aller Soldatinnen klagen darüber. In 9 % der Fälle soll es sich sogar um Vergewaltigungen handeln, wie eine Studie der Armee ergab.
„Ich dachte früher, dass man, wenn so etwas passiert, dass man dagegen kämpfen kann. Man hört sich selbst sagen, bewege dich… doch das Kommando bleibt in den Gedanken und der Körper tut nichts“, sagte eine Soldatin, die ungenannt bleiben will, gegenüber dem VRT-Reportagemagazin „Terzake“ („Zur Sache“).
Ihre Anwältin gab dazu zu verstehen, dass der Täter zwar juristisch wegen Vergewaltigung verurteilt worden sei, doch dass er weiter bei der Armee im Dienst sei. Für Opfer von sexueller Taten sei bei der Truppe nicht klar, welche Sanktionen einem Täter hier auferlegt würden.
Ein Problem ist dabei auch und gerade, wenn es sich bei den Tätern um Vorgesetzte im militärischen Rang handele, so Anwältin Carine Flament gegenüber „Terzake“: „Wir sehen, dass weniger ernste Taten zu Entlassungen führen, z.B. nach Drogengebrauch. Danach gibt es Gehaltsabzug oder eine Entlassung. Doch nach Sexualstraftaten, etwas abhängig von Rang, sind die Folgen zumindest nicht sichtbar.“
Bei den betroffenen Soldatinnen ist gerade ein höherer militärischer Rang ein Hindernis, Anzeige zu erstatten oder sexuelle Straftaten zu melden, wie die ungenannte Soldatin weiter erzählt: „Es herrscht große Loyalität und es gibt Schamgefühl. Manchmal hat man auch Angst um seine weitere Karriere. Mir haben auch schon andere Opfer gesagt, dass man das Gefühl hat, dass einem die Laufbahn verbaut wird und dass man uns auslacht.“
Die belgische Armee reagiert auf diese Studie damit, dass sie eine Meldestelle für sexuelle Verfehlungen bei der Truppe einrichten wolle, mit der gegen dieses Problem vorgegangen werden soll.
