Die europäische Raumfahrtagentur ESA hat an diesem Mittwoch in Paris ihre neuen Astronauten vorgestellt. Darunter ist auch der Belgier Raphaël Liégeois aus Namür (Fotos). Wird er nach Dirk Frimout (1992) und Frank Dewinne (2002 und 2009) der dritte Belgier im All? Liégeois kann bereits einen beeindruckenden Lebenslauf vorweisen. Dazu gehört jetzt auch die Berufsbezeichnung ESA-Astronaut.
Astronaut Raphaël Liégeois: Wird er der dritte belgische Raumfahrer?
Bei der ESA hatten sich mehr als 22.000 Kandidaten aus 25 Ländern gemeldet, die zur nächsten Gruppe der europäischen Astronauten gehören wollten. Nach und nach kristallisierte sich heraus, dass unter den 8 neuen ESA-Astronauten auch ein Belgier sein könnte. Alleine aus unserem Land hatten rund 1.000 Kandidaten ihre Bewerbung eingereicht.
Mit dem 34 Jahre alten Raphaël Liégeois ist die Wahl tatsächlich auf einen Belgier gefallen. Der Wallone aus der Regionalhauptstadt Namür ist Neurowissenschaftler und leidenschaftlicher Ballonfahrer. Schon seine Ausbildung ist beeindruckend. Zwischen 2005 und 2015 kombinierte er gleich mehrere Fächer an zwei verschiedenen Universitäten: Ingenieurswissenschaften und Grundlagenphysik in Paris sowie biomedizinische Wissenschaften und Medizin in Lüttich.
Neurologe und Ausdauersportler
Der mehrsprachige Diplomphysiker, Ingenieur und Biomediziner promovierte über das Thema medizinische Bilderzeugung im Gehirn bei dem bekannten Neurologen Steven Laureys (ULG Lüttich, VUB Brüssel). Liégeois dozierte u.a. an der Universität von Singapur, war Gastdozent an der renommierten École Polytechnique Fédérale in Lausanne sowie an der prestigeträchtigen US-Universität von Stanford.
Seit etwa anderthalb Jahren doziert er an der Universität von Genf über Methoden, um die Arbeit unseres Gehirns genauer analysieren zu können. Der Akademiker ist in seiner Freizeit aber auch Musiker (Piano, Orgel und Gitarre), Zirkuskünstler, Ballonfahrer und vielseitiger Sportler. 2017 radelte er mal eben mit seiner Lebensgefährtin von Singapur nach Namür. Jetzt besteht die Möglichkeit, dass er eine Reise antreten kann, die bedeutend mehr Kilometer erfordert.
Raphaël Liégeois wird einem seiner Vorgänger im All aus Belgien mit Sicherheit bald begegnen. Frank Dewinne, der 2002 und 2009 auf der ISS war, leitet heute das Europäische Zentrum für Astronautenausbildung (EAC) in Köln. Dort wird auch der 34-jährige neue Astronaut ab Frühjahr 2023 einer Ausbildung folgen.
