Die belgische Datenschutzbehörde ruft Fußballfans auf, die zur Weltmeisterschaft nach Katar reisen, vorsichtig mit zwei Telefon-Apps umzugehen, die sie in dem Gastgeberland wahrscheinlich installieren müssen. Die Behörde empfiehlt den Fans, ein altes, leeres Telefon zu benutzen. Eine Untersuchung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks in Norwegen zeigt, dass die Apps, die Katar verpflichtet, nicht den Schutz der Privatspähre garantieren. "Es besteht eine reale Chance, dass die Besucher der Fußballweltmeisterschaft, insbesondere gefährdete Gruppen, von den katarischen Behörden überwacht werden", so die norwegische Regierung.
Datenschutzbehörde warnt Fußballfans vor Apps, die in Katar aufs Telefon installiert werden müssen: altes, leeres Telefon benutzen
Die Warnung vor den Telefon-Apps kam vom Sicherheitschef des norwegischen Rundfunks NRK: “Es ist nicht meine Aufgabe, Sicherheitsratschläge zu erteilen, aber ich persönlich würde bei einem Besuch in Katar kein Mobiltelefon mitnehmen." Der NRK hatte zwei katarische Apps unter die Lupe genommen, die ausländische Fußballfans mit ziemlicher Sicherheit downloaden müssen.
Die erste App, die von den Norwegern untersucht wurde, ist "Hayya", die offizielle WM-App, die als Eintrittskarte für das Land und die WM-Stadien gilt und während der Weltmeisterschaft auch zum kostenlosen Zugang zu den öffentlichen Verkehrsmitteln berechtigt. Die zweite ist "Ehteraz", eine Corona-App, die jeder haben muss, der eine Gesundheitseinrichtung in Katar betritt.
Um diese Anwendungen zu installieren, müssen die Nutzer zunächst ALLEN Nutzungsbedingungen zustimmen. Und diese sind nach Ansicht des norwegischen öffentlich-rechtlichen Rundfunks sehr weitreichend. Mit der App "Hayya" können beispielsweise nicht nur die Spiele verfolgt werden, sondern kann die Regierung auch auf sensible Daten der Nutzer der Apps zugreifen.
Privatsphäre nicht ausreichend geschützt
Eine Überprüfung durch das Cybersecurity-Team des öffentlich-rechtlichen Rundfunks in Flandern VRT ergab auch, dass die Installation den Zugriff auf potenziell sensible Informationen wie den Standort des Geräts erlaubt. "Das ist nicht außergewöhnlich und diese Daten mögen für den Betrieb der App notwendig sein, aber wir können nicht ausschließen, dass sie auch für andere Zwecke verwendet werden", heißt es im Gutachten. VRT-Mitarbeiter, die zur Fußballweltmeisterschaft nach Katar reisen, wurden daher gewarnt, die Apps nur bei Bedarf zu installieren und bei der Verwendung der Geräte besonders vorsichtig zu sein.
Unabhängige norwegische Cybersicherheitsexperten kommen zu demselben Schluss: "Die Apps können die Nutzer orten und zum Beispiel weitergeben, mit wem sie in Kontakt sind. Nützliche Informationen für eine Regierung, die Minderheiten jagt". Sie beziehen sich zum Beispiel auf die LGBTQ-Gemeinschaft, da Homosexualität in Katar verboten ist.
App nicht herunterladen
Eine Sorge, die von der norwegischen Regierung geteilt wird, da die norwegische Datenschutzbehörde am vergangenen Montag eine offizielle Warnung aussprach. "Wir sind besonders beunruhigt über den umfangreichen Zugriff, den die Apps erfordern. Es besteht eine reale Chance, dass Besucher in Katar, insbesondere gefährdete Gruppen, von den katarischen Behörden überwacht werden", warnt die Regierung. Norwegern, die nach Katar reisen, wird empfohlen, die Apps nicht herunterzuladen.
Später in dieser Woche kamen ähnliche Warnungen u. a. aus Deutschland, Frankreich und den Niederlanden, und nun ruft auch die belgische Datenschutzbehörde die Fans zur Wachsamkeit auf. "Laden Sie solche Apps möglichst nicht herunter, und wenn das Herunterladen zwingend erforderlich ist, nehmen Sie am besten ein altes, leeres Telefon mit nach Katar. Und vergessen Sie nicht, die Apps zu löschen, wenn Sie zurück sind", lautet der Ratschlag.
