Am 11. November 1922, also vor genau 100 Jahren, wurde der „Unbekannte Soldat“ in Brüssel an der Kongresssäule beerdigt. Dieser Soldat steht für alle belgischen Soldaten, die im Laufe des Ersten Weltkriegs gefallen sind und deren Identität bis heute nicht festgestellt werden konnte. Der „Unbekannte Soldat“ wurde von einem blinden Kriegsveteran angedeutet. Dieser stand vor fünf namenlosen Särgen mit den sterblichen Überresten gefallener Soldaten. Diese Zeremonie wurde vor einigen Tagen im Vorfeld des Waffenstillstandstages des Ersten Weltkriegs symbolisch wiederholt.
Vor 100 Jahren: In Brüssel wurde der "Unbekannte Soldat" beigesetzt, nach dem ein blinder Kriegsveteran auf dessen Sarg deutete
Von den rund 40.000 während des „Großen Krieges“ gefallenen belgischen Soldaten konnten etwa 4.000 nicht identifiziert werden bzw. blieben bis heute vermisst. Einer davon sollte der symbolische „Unbekannte Soldat“ werden. Dazu wurde 1922 ein aufwendiges Szenario aufgestellt.
Auf 5 Soldatenfriedhöfen in der Nähe von Schlachtfeldern, wo belgische Soldaten gekämpft hatten, wurde jeweils ein willkürlich angedeuteter Sarg mit einem unbekannten Soldaten ausgesucht. Diese 5 Särge wurden zum Bahnhof von Brügge gebracht, wo ein im Krieg erblindeter Veteran mit seinem weißen Stock einen davon berührte. Und genau dieser Sarg wurde am 11. November 1922 an der Kongresssäule in Brüssel beigesetzt.
Der Veteran, dem die Ehre zuteil wurde, den „Unbekannten Soldaten“ zu küren, war Renold „Raymond“ Haesebroeck. Dieser bekam bei einem Aufklärungsauftrag bei Diksmuide 1917 Granatsplitter in die Augen und erblindete. Im Register des Nationalen Verbundes der Kriegsveteranen steht er an erster Stelle.
Ihm wurde eine besondere Verbindung zum belgischen Königshaus nachgesagt. Der Legende nach soll sich Haesebroeck in einem Schützengraben auf König Leopold II. geworfen haben, um ihn bei einem Beschuss zu schützen, als dieser die Truppen an der Front besuchte….
Zeremonie symbolisch nachgestellt
Die doch besondere Geschichte des Grabes des „Unbekannten Soldaten“ wurde vor einigen Tagen im Vorfeld des Waffenstillstands am 11. November nachgestellt. Auf den Soldatenfriedhöfen von Lier, Namür, Lüttich, Adegem und Keiem wurde jeweils eine Urne zur Erinnerung an die 5 unbekannten Soldaten die vor 100 Jahren exhumiert wurden, mit Erde gefüllt.
Diese Urnen wurden danach zum Friedhof von Brügge gebracht, wo eine Urenkelin von Renold Haesebroek mit demselben Blindenstock von damals auf eine davon deutete (Foto und Video unten). Diese Urne wird an diesem 11. November an der Kongresssäule in der Hauptstadt symbolisch beigesetzt. Renold „Raymond“ Haesebroeck hat seine besondere Geschichte seiner Familie übrigens nie erzählt…


