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Inland
Justiz

Polizist verliert bei Messerattacke am Brüsseler Nordbahnhof sein Leben

Am Donnerstagabend hat ein Mann in unmittelbarer Nähe des Brüsseler Nordbahnhofs im Stadtteil Schaarbeek eine Polizeistreife angegriffen. Mit Messerstichen verletzte er zwei Beamten schwer. Einer der beiden Polizisten, ein 29 Jahre alter Beamte, erlag seinen Verletzungen. Der Täter konnte niedergeschossen und festgenommen werden. Die Bundesstaatsanwaltschaft ermittelt in diesem Fall auch wegen eines möglichen terroristischen Hintergrundes. Der Täter ist den Behörden als im Gefängnis radikalisierter Islamist bekannt. 

Andreas Kockartz
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Der Fall erscheint zunächst verworren. Zeugen zufolge rief der Täter bei seinem Angriff auf die Polizeistreife, die hinter dem Nordbahnhof in der Rotlichtstraße Aarschotstraat mit ihrem Streifenwagen unterwegs war, „Allahu Akbar“, also „Gott ist groß“. Der Täter hatte dabei die Türe des Polizeiwagens aufgerissen und stach auf die beiden Beamten ein. 

Doch vor dem Angriff hatte er sich in einer Polizeiwache im Brüsseler Stadtteil Evere vorgestellt, um dort um psychologische Hilfe zu bitten, wie später bekannt wurde.

Dort soll er verwirrende Äußerungen getätigt haben, die wohl auch mit Hass gegenüber der Polizei zu tun gehabt haben. Die Polizei in Evere rief den für Fragen zur psychologischen Magistraten hinzu, doch dieser war der Auffassung, dass der Mann den gesetzlichen Vorschriften für eine Einweisung nicht entsprach, weil er sich dazu bereit erklärte, sich freiwillig einer psychologischen Behandlung unterziehen zu lassen. 

(Lesen Sie bitte unter dem Video mit den ersten Bildern vom Donnerstagabend weiter)

ANSEHEN

Polizisten brachten den Mann in die Brüsseler Uniklinik Saint-Luc und wartete dort, bis sich ein Pfleger um ihn kümmerte. Doch eine spätere Nachfrage ergab, dass der Mann Stunden später das Krankenhaus wieder verlassen hatte.

Danach kam es dann in den Abendstunden am Donnerstagabend zu dem dramatischen Vorfall am Nordbahnhof. Der Täter hatte die beiden Polizisten in ihrem Streifenwagen attackiert, woraufhin diese um Verstärkung baten. Doch der Angreifer stach mit einem Messer auf die Beamten ein und verletzte diese schwer.

Die zur Verstärkung gerufenen Polizisten schossen auf den Täter und konnten diesen verletzt stellen. Die beiden verletzten Beamten wurden in ein Krankenhaus gebracht, wo der 29 Jahre alte Polizist seinen schweren Stichverletzungen am Hals erlag. Sein 23 Jahre alter Kollege ist zum Glück nicht lebensgefährlich verletzt.

Was weiß man über den Täter?

Der Täter ist 32 Jahre alt und er ist ein ehemaliger Häftling, der im Gefängnis in Sachen Islam radikalisierte. Der Mann steht seit 15 Jahren auf der sogenannten „Celex“-Liste, eine Liste mit extremistischen (Ex)Häftlingen, die auch das OCAD führt, das staatliche belgische Organ für die Analyse von Gewalt- und Terrorbedrohung.

Der Täter saß seit Mai 2013 in der Haftanstalt von Ittre in der Abteilung für radikalisierte Häftlinge wegen seiner extremistischen Ideen. Im Juni 2017 wurde er nach Lantin verlegt, wo er aufgrund seines Extremismus in Isolierungshaft saß. Von dem Mann könne aufgrund seiner islamistischen Radikalität Gewalt ausgehen und deshalb galt er als potentiell gefährlich. 

Trauer und Wut: Reaktionen auf den tödlichen Vorfall

Sowohl Premierminister Alexander De Croo (Open VLD), als auch Bundesjustizminister Vincent Van Quickenborne (Open VLD) und Bundesinnenministerin Annelies Verlinden (CD&V) reagierten in den sozialen Medien mit Abscheu auf die Gewalttat gegen die Polizisten. Dem schloss sich auch Olivier Slosse, der Korpschef der Polizeizone Brüssel Nord an. Der Vorgesetzte der beiden betroffenen Polizisten twitterte vielsagend ein gebrochenes Herz…

Rasend vor Wut hingegen reagierte die Polizeigewerkschaft VSOA. In einer Pressemitteilung hieß es nach der Tat, dass dies einmal mehr ein dramatischer Fall von Gewalt gegen die Polizei in der Brüsseler Hauptstadt-Region sei: „Die Politiker werden wie gewohnt die Fakten scharf verurteilen und morgen schauen sie wieder in die andere Richtung. So, wie sie es schon seit Jahrzehnten tun. Die jahrelange Straflosigkeit in Brüssel und in anderen Großstädten trägt dazu bei, dass die Täter nach Gewalt gegen die Polizei nichts zu befürchten haben. (…) Liebe Politiker, liebe Justiz, ihr dürft Euch dessen sicher sein, dass wir darauf knallhart reagieren!“ 

"Das kann die Justizministerin nicht durchgehen lassen"

Vincent Houssin, der Vorsitzende der Polizeigewerkschaft VSOA sagte später, dass der Vorfall die Polizisten erschüttere: "Der gestorbene Kollege war ein junger Mann in den 20ern." Houssin kündigte als Folge dieser Attacke mehrere Aktionen an und machte zudem deutlich, dass die verschiedenen Polizeigewerkschaften am 28. November einen nationalen Aktionstag durchführen würden: "Es muss dringend zu mehr Respekt für die Beamten kommen. So geht das nicht weiter." 

Der Polizeigewerkschafter ist der Ansicht, dass der Magistrat, der den späteren Täter habe laufen lassen, fahrlässig gehandelt habe: "Das er den Verdächtigen, der auf der OCAD-Liste steht, gehen ließ, ist unverständlich. Dies kann die Justizministerin nicht durchgehen lassen. Bundesjustizministerin Annelies Verlinden (CD&V) sagte dazu am Donnerstag gegenüber VRT NWS, dass sie jetzt nicht überhastet Entscheidungen treffen wolle, doch dass alle Schritte bei diesem Vorgang genau geprüft würden. 

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