Der belgische Premierminister Alexander De Croo (flämische Liberale, Open VLD) hat auf der COP27, der UN-Klimakonferenz in Ägypten, gesagt, der Kampf gegen den Klimawandel sei ein Kampf um unser physisches Überleben und den Erhalt des sozialen Zusammenhalts. De Croo hatte auch eine besondere Botschaft an die Jugend der Welt. Er forderte sie auf, extreme Aktionen wie das Bewerfen von Kunstwerken zu unterlassen. Für die belgischen Klimaaktivisten ging De Croos Rede völlig daneben. “Fünf Minuten für nichts”, reagierte man bei der Climaatcoalitie.
“Null Substanz” lautet Urteil belgischer Klimaaktivisten auf COP27-Rede von Premier De Croo
Belgische Klimaorganisationen reagieren unzufrieden auf die Rede von Premierminister Alexander De Croo auf der UN-Klimakonferenz in Ägypten. Der junge Klimaaktivist Benjamin Van Bunderen Robberechts von Justice for Rosa sagte, der Premierminister habe "fünf Minuten verschwendet". Zanna Vanrentherghem von der Climaatcoalitie ist derselben Meinung: "Fünf Minuten, null Substanz". Greenpeace wiederum fand die Rede "leer und enttäuschend".
De Croo machte sich in Sharm-el-Sheikh unter anderem über Klimaaktivisten lustig, die berühmte Gemälde verunstalten, um mehr Aufmerksamkeit auf das Klima zu lenken und für mehr Klimaschutz zu werben. "Der einzige Weg nach vorne besteht darin, aufeinander zuzugehen, Partnerschaften zu schmieden und nicht mit Farbe zu werfen", sagte der belgische Regierungschef.
Benjamin Van Bunderen Robberechts ist ein junger Klimaaktivist von Justice For Rosa und nimmt ebenfalls an der COP27 teil. Er wirft dem Premierminister vor, sich über die Klimaaktivisten lustig gemacht und seine fünf Minuten verschwendet zu haben.
Van Bunderen Robberechts selbst hat bei den schweren Überschwemmungen im Juli letzten Jahres eine Freundin verloren. Er sah vor seinen Augen, wie die 15-jährige Rosa in den reißenden Wassermassen unterging.
"De Croo spricht auch von Unternehmen, die in Schwierigkeiten sind. In Belgien starben 40 Menschen bei den durch den Klimawandel verursachten Überschwemmungen, und Tausende weitere in der übrigen Welt. Wäre es nicht besser, wenn er darüber sprechen würde? Sollte der Zweck der COP nicht darin bestehen, die Menschen zu schützen?"
"Kostbare Redezeit, um zu wiederholen, dass die Technologie die Welt retten wird."
Zanna Vanrenterghem von der Climaatcoalitie
Auch Zanna Vanrenterghem von der Climaatcoalitie ist enttäuscht. "Es gibt 100 Lösungen, die wir als Klimakoalition dem Premierminister schon vor anderthalb Jahren vorgeschlagen haben, und er nutzt seine kostbare Redezeit, um den Klimaaktivisten zu sagen, dass sie sich beruhigen sollen, und um zu wiederholen, dass die Technologie die Welt retten wird".
"Die wahre Gefahr sind fossile Brennstoffe, nicht Aktivisten."
Boon Breyne von Youth4Climate
Boon Breyne von Youth4Climate ist enttäuscht, dass der Premierminister die Technologie als eine Art rettenden Engel bezeichnet. "In erster Linie müssen die Treibhausgasemissionen drastisch gesenkt werden. Der Aufruf des Premierministers an junge Menschen, Wissenschaft zu studieren, klingt wie ein Aufruf aus den 1970er Jahren", fügte Breyne hinzu.
Auch der Seitenhieb des Premierministers gegen Klimaaktivisten, die Kunstwerke mit Farbe beschmieren, kommt bei Youth4Climate nicht gut an: "Wie UN-Chef Guterres es ausdrückte, sind nicht sie die Gefahr, sondern diejenigen, die weiterhin in fossile Brennstoffe investieren, oder die Unternehmen, die fossile Brennstoffe fördern."
Greenpeace: "leer und enttäuschend"
Joeri Thijs von der Umweltorganisation Greenpeace bezeichnete die Rede als "leer und enttäuschend" und war der Meinung, dass alles ein bisschen mehr sein könnte. "Wie der Premierminister sind auch wir besorgt über die Polarisierung in der Klimadebatte. Aber er selbst hat die Lösung für dieses Problem: Mit einer gerechten, integrativen und ehrgeizigen Klimapolitik werden wir alle ins Boot holen."
"Investieren Sie massiv in die Wärmedämmung, in den öffentlichen Verkehr und in erneuerbare Energien", so Thijs weiter. "Setzen Sie sich international für eine Erhöhung der Steuern auf die Gewinne der fossilen Energieriesen ein. Beenden Sie unsere Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen mit fairen Übergangsplänen für die Beschäftigten der Industrie".
Belgien sollte besser seine eigenen Hausaufgaben machen, bevor es Aktionen von Klimaaktivisten verurteilt, meint Thijs: "Der belgische Klimabericht ist nach wie vor nicht überzeugend. Unser Land erreicht seine Klimaziele nicht und kommt seinen Verpflichtungen zur Klimagerechtigkeit nicht nach. Die 500 Millionen Euro, die Belgien zur Unterstützung der schwächsten Länder bei der Bewältigung der verheerenden Auswirkungen der Klimakrise beisteuern soll, sind noch nicht am Ziel angekommen.
