Zum Hauptinhalt springen

Wieder mussten zahlreiche Asylsucher die Nacht in Brüssel auf der Straße verbringen

Mehrere Flüchtlingsverbände und NGOs haben am Donnerstagabend eine Rekordzahl Flüchtlings und Asylsucher mit Mahlzeiten versorgt. Rund 100 Personen, Familien mit Kindern, und etwa 150 alleinstehende Männer bekamen vom Ausländeramt Fedasil keine Unterkunft und mussten die Nacht unter freiem Himmel verbringen. Alleine in diesem Jahr werden noch bis zu 100.000 weitere Flüchtlinge und Asylsucher in Belgien erwartet. 

Andreas Kockartz
Veröffentlicht:

Die Asylkrise in Belgien weitet sich weiter aus. Dass an einem Tag rund 250 Menschen, darunter Familien mit Kindern, keine Unterkunft und keine Mahlzeit bekommen konnten, ist ein trauriger Rekord, wie auch Tine Claus vom Flüchtlingswerk Flandern feststellt, das sich in Brüssel sehr für die Betroffenen engagiert.

Inzwischen ist der Mangel an Unterbringungsmöglichkeiten für Asylsucher so groß, dass quasi massiv gegen das Gesetz verstoßen werden muss. Laut belgischem Gesetz steht jedem Asylsucher, der seinen Antrag auf Bleiberecht bei Fedasil eingereicht hat, ein Bett, eine Waschmöglichkeit und eine Mahlzeit zu.

Mittlerweile verliert der belgische Staat viele Prozesse wegen der Nichtbeachtung dieser Regelung, doch es gibt einfach nicht genügend Unterbringungsmöglichkeiten. Belgiens Asylstaatssekretärin Nicole De Moor (CD&V) arbeitet inzwischen mit zahlreichen Behörden zusammen, um nicht genutzte Gebäude zu Notunterkünften einzurichten. 

60.000 Kriegsflüchtlinge aus der Ukraine?

Und es droht weiteres Ungemach in dieser Frage. Asylstaatssekretärin De Moor geht davon aus, dass dieses Jahr noch mit bis zu 100.000 weiteren Flüchtlingen zu rechnen ist, die in Belgien ankommen werden.

Die meisten davon, bis zu 60.000, kommen wohl aus dem umkämpften Regionen in der Ukraine, sind also keine Asylsucher im Wortsinn. Für die Kriegsflüchtlinge aus der Ukraine ist übrigens nicht das Ausländeramt des belgischen Staates Fedasil zuständig, sondern die Regierungen der Länder und Regionen.

Doch von einer Asylkrise, wie unser Land sie 2015 erlebte, geht die flämische Christdemokratin nicht aus, auch wenn alleine im Oktober rund 4.000 Asylanträge gestellt wurden.

Lesen Sie mehr über

Meistgelesen

  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5