Aus einer Umfrage in Auftrag des Zeitarbeits- und HR-Unternehmens Tempo-Team ist ersichtlich, dass in Belgien etwa jeder dritte Arbeitnehmer auch mal zur Arbeit geht, auch wenn er krank ist. Eigentlich gilt hierzulande seit der Coronakrise und den Lockdowns das ungeschriebene Gesetz, dass jene Arbeitnehmer, sie krank sind oder sich krank fühlen, zuhause bleiben sollen. Doch inzwischen sieht die Praxis etwas anders aus.
Jeder dritte Arbeitnehmer in Belgien geht auch mal krank zur Arbeit
Offenbar ist es derzeit so, dass etwa jeder dritte Arbeitnehmer auch erkältet oder sogar mit Fieber zur Arbeit geht. Genauer, so die Statistik der Umfrage, sind 35 % der Arbeitnehmer in Belgien im vergangenen halben Jahr krank zur Arbeit gegangen und weitere 15 % der Beschäftigten arbeiteten erkrankt von zuhause aus weiter.
Die Gründe dafür sind nach den Aussagen der 2.500 Befragten unterschiedlich. Die einen wollen nicht, dass ihre Kolleginnen und Kollegen deren Arbeit übernehmen müssen und die anderen wollen vermeiden, dass Arbeit liegen bleibt. Nicht selten lässt die Betroffenen aber auch die Angst vor dem Verlust des Arbeitsplatzes auch krank arbeiten.
Anja Van den Broeck von der Universität Löwen (KU Leuven) hält es für auffallend, dass dieses Problem so häufig auftaucht, wie sie gegenüber VRT NWS dazu sagte: „Seit der Coronakrise sagt man uns doch, dass wir besser zuhause bleiben, wenn wir krank sind. Und doch gehen die Leute ab und zu noch krank ins Büro.“
Laut der Studie von Tempo-Team gehen Frauen etwas öfter krank zum Job als Männer und bei jüngeren Arbeitnehmern unter 35 Jahren kommt das häufiger vor, als bei älteren Kollegen, die bereits über 50 Jahre alt sind. Das betrifft ebenfalls nicht nur die physische Anwesenheit am Arbeitsplatz, sondern auch das Arbeiten im Homeoffice.
Van den Broeck, Professorin für Verhaltensforschung am Arbeitsplatz der Uni Löwen, rät den Arbeitgebern dazu, in dieser Frage locker und flexibel vorzugehen, vor allem, wenn es um den Wunsch geht, von zuhause aus zu arbeiten: „Mitarbeiter, die sich nicht gut fühlen, die aber nicht richtig krank sind, können zuhause noch sinnvolle Arbeit leisten. Das sorgt für eine Win-Win-Situation. Sie stecken keine Kollegen an, doch ihre Arbeit bleibt nicht liegen und wird auch nicht den Kollegen zugeschoben.“
