Obwohl es in Flandern schätzungsweise 500.000 Anhänger der Freikörperkultur gibt, wird Nacktheit immer noch oft mit Scham assoziiert. Das sagt Liesa Schoukens, die ihre Diplomarbeit als Masterstudentin in den Sozialwissenschaften zu diesem Thema geschrieben hat. "In Belgien gibt es nur wenige Orte, an denen man nackt sein darf, selbst im Garten muss man aufpassen", sagte Schoukens in De ochtend auf Radio 1.
Anhänger der Freikörperkultur, auch Naturisten genannt, wollen ihre Verbundenheit mit der freien Natur durch ihre Nacktheit zum Ausdruck bringen.
Eine halbe Million Flamen betrachten sich als Naturisten, aber Nacktheit ist hierzulande oft ein Tabu. "Ist Nacktheit in Flandern immer noch ein Tabu?" lautet daher der Titel von Schoukens' Diplomarbeit. Die einfache Antwort lautet "Ja".
"Viele Menschen kennen die Freikörperkultur nicht einmal", stellt Schoukens fest: "Das liegt zum Teil daran, dass es in Belgien nur wenige Orte gibt, an denen man nackt sein kann. Es gibt den FKK-Strand in Bredene und einige FKK-Erholungsgebiete und Campingplätze."
"Andererseits ist das Thema auch tabu. Wenn man offener über Naturismus reden würde, werden die Leute vielleicht erkennen, dass Nacktheit in der Natur nichts Eigenartiges ist, weswegen man sich schämen müsste.
Viel strengere Gesetzgebung als in Deutschland
In Belgien gibt es strenge Regeln für das Nacktsein in der Öffentlichkeit. Auch zu Hause und im Garten muss man vorsichtig sein, sagt Schoukens: "Wenn Ihr Garten nicht eingezäunt ist und die Leute an Ihrer Nacktheit Anstoß nehmen, können Sie dafür bestraft werden.”
"Öffentliche Anstößigkeit beinhaltet oft Nacktheit, aber Naturisten hoffen auf eine Gesetzesänderung, die zwischen obszönem Verhalten und Naturismus unterscheidet.
Andere Länder stehen der Nacktheit viel offener gegenüber, so Schoukens. In Spanien zum Beispiel ist jeder Strand ein Nacktbadestrand, sofern nichts anderes angegeben ist.
Deutschland war sogar Vorreiter der Freikörperkultur Ende des 19. Jahrhunderts. Im Allgemeinen herrscht dort eine große Akzeptanz gegenüber dem Nacktsein, wie verschiedene Studien ergeben haben.
