In Zwijndrecht bei Antwerpen ist eine hohe Konzentration des schädlichen Kunststoffs PFAS im Apfelsaft, der aus einem Baumgarten im Zentrum der Stadt kommt, festgestellt worden. Damit sorgt die seit Juni 2021 bekannte Umweltverschmutzung, die vom 3M-Werk in der Nähe der Stadt ausgeht, einmal mehr für Sorgen und Unmut.
PFAS im Apfelsaft: Zwijndrecht einmal mehr von der Umweltverschmutzung bei 3M heimgesucht
Das flämische Umweltamt rät den Bewohnern von Zwijndrecht dazu, beim Trinken des Apfelsaftes aus dem Baumgarten im Zentrum der Stadt vorsichtig zu sein. Kinder unter 12 Jahren sollten den möglicherweise PFAS-verseuchten Saft gar nicht erst trinken und Erwachsenen wird geraten, nur zwei Gläser pro Woche davon zu konsumieren. Zudem ist die für diesen Monat geplante Apfelernte geplatzt.
Die Umweltvereinigung Velt und die „Freunde des Baumgartens“, die die Anlage gemeinsam betreiben, sind sauer. Am Donnerstagvormittag haben einige Bürger aus Zwijndrecht und Vertreter der Betreiber des Baumgartens symbolisch einige Liter des Apfelsafts am Werk des US-Chemiekonzerns 3M abgegeben, um ihren Unmut kundtun zu können (Foto oben).
3M hat die enorme Umweltverschmutzung, unter der die gesamte Umgebung der Fabrik leidet (dies ist nicht nur auf Zwiijndrecht beschränkt), verursacht und steht seit dem nicht nur in Flandern am Pranger.
Zur Vorgeschichte
Nach ersten Vermutungen im April explodierte die Bombe im PFOS-Skandal im Juni 2021, als bei den Oosterweel-Bauarbeiten Abraum abgegraben wurde, der hochgradig mit dem chemischen Produkt PFOS verseucht war.
Die kontaminierte Erde kam aus dem US-Chemiewerk 3M in Zwijndrecht und war dort mehr schlecht als recht abgelagert worden. PFOS ist ein chemisches Nebenprodukt, das zur PFAS-Familie gehört. Dies ist eine Bezeichnung für chemische Produkte bzw. Kunststoffe, die sich in der Natur nicht auflösen und die deshalb auch „forever chemicals“ genannt werden.
In den Wochen und Monaten danach wurde immer deutlicher, dass die Behörden und die flämische Landesregierung bereits seit etwa 2017 wussten, dass sich in Zwijndrecht hochgradig verseuchter Abraum befand, doch dazu wurde jede Kommunikation verhindert.
Inzwischen wurden schon mehrmals Arbeiten an Oosterweel-Baustellen wegen PFOS unterbrochen und an einigen Stellen wurde bereits mit der Bodensanierung begonnen. In diesem Fall sind mehrere Klagen sowohl gegen 3M, als auch gegen die flämische Landesregierung anhängig.
Das 3M-Management wurde bereits einige Male vor den parlamentarischen Untersuchungsausschuss zitiert und steht auch bei der flämischen Landesregierung schwer in der Kritik. 3M will 150 Mio. € in die Sanierung der verseuchten Böden in der Antwerpener Region stecken, doch nach Ansicht der flämischen Landesregierung könne das nur ein Anfang sein.
