Die flämische Landesregierung wird angesichts der Energiekrise fast allen Anträgen auf Installation von Solaranlagen auf Dächern zustimmen. Das betrifft auch denkmalgeschützte Gebäude, wie Flanderns zuständiger Kulturerbe-Minister Matthias Diependaele (N-VA) vor einigen Tagen mitteilte. Aber, auch diese Freizügigkeit hat ihre Grenzen. Hinzu kommt noch eine Diskussion zu isolierenden Doppelglasfenstern in denkmalgeschützten Gebäuden und Vierteln. Dies betrifft auch die Brüsseler Hauptstadt-Region.
In Flandern wird es leichter, Solaranlagen auf denkmalgeschützten Gebäuden zu installieren
Wer eine denkmalgeschützte Immobilie sein Eigen nennen kann, dem begegnen nicht selten Probleme. Das trifft z.B. dann ein, wenn man im Zuge von Renovierungen oder Restaurierungen zur besseren Isolierung Fenster mit Doppelverglasung einbauen will. Aktuell kommt im Zuge der Energiekrise ein weiteres Problem hinzu: Der Einbau von Solaranlagen auf Dächern von Gebäuden, die zum Kulturerbe gehören.
Dies will Landesdenkmalschutzminister Diependaele lockern. Von jetzt an wird auch das Landesamt für Kulturerbe eine Zustimmung geben, wenn Anträge auf Solaranlagen für solche Gebäude eingereicht werden. „Wichtig ist, dass beim Anbringen von Solaranlagen am geschützten Gebäude nichts beschädigt wird, damit ein Rückbau möglich bleibt,“ so der Minister.
Am besten sei es, so Diependaele weiter, wenn das Erleben von Kulturgut und der Wert des Kulturerbes durch solche Baumaßnahmen nicht beeinträchtigt würden: „Wir bevorzugen Sonnenpanelen, die aus der Sicht bleiben. Doch das ist nicht immer möglich. Überdies darf das Anbringen von Solaranlagen den Unterhalt des Kulturerbes nicht im Wege sein.“ Tipps und Richtlinien würden noch im Laufe des Jahres folgen und in 3 Jahren werden die Maßnahme analysiert und neu bewertet, hieß es weiter dazu.
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Unesco-Kulturerbe bleibt ausgenommen
Doch nicht überall im belgischen Bundesland Flandern wird es erlaubt sein, Solaranlagen auf denkmalgeschützten Gebäuden anzubringen, so Minister Diependaele: „Bei Gebäuden, die das Unesco-Label tragen, wird das nicht möglich sein.“ Die Unesco-Regeln würden solche Baumaßnahmen (noch) nicht erlauben, z.B. an Belfrieden, Beginenhöfen oder anderen klassierten historischen Gebäuden: „Auch das gesamte Stadtzentrum von Brügge ist durch die Unesco geschützt. Ein Antrag müsste dort vorgelegt werden, doch das wird nicht evident sein. Das Rathaus von Antwerpen ist auch ein Belfried. Da könnte es passen, dürfte aber nicht sichtbar sein.“
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In Brüssel bleiben viele Fragen offen
Auch in der belgischen Hauptstadt-Region Brüssel wird dieses Thema diskutiert. Hier ist es vor einigen Tagen zu einem heftigen Krach gekommen, als deutlich wurde, dass bei Renovierungen von Sozialwohnungen in der denkmalgeschützten Gartenstadt Le Logis-Floréal im Stadtteil Watermaal-Bosvoorde (Foto unten) nur Einfachglas eingebaut wurde. Eine Doppelverglasung sein nicht möglich, denn sie würde das Aussehen der betroffenen Häuser stören. Die Arbeiten wurden stillgelegt und es wird gemeinsam mit der Brüsseler Denkmalschutzbehörde Urban.Brussels geprüft, wie Kulturgut, Energie und Wohnkomfort zusammenkommen können.
Inzwischen wird in Brüssel eine Debatte zu diesem Thema gefordert. Dabei geht es in erster Linie um die Isolierung von Fenstern. Gerade in der Art-Nouveau- und Art-Déco-Hauptstadt ist dies eine wichtige Frage. Interessante Fragen stehen hier im Raum: Was ist eine Stadt? Eine Ansammlung von schönen Steinen, an denen nichts mehr verändert werden kann. Oder liegt es nicht vielleicht in der Natur einer Stadt, sich zu verändern und sich an eine sich verändernde Welt anzupassen?
