Die Katholische Universität Löwen (KU Leuven) mag Flanderns größte und angesehenste Uni sein, doch dies hält Landesjustizministerin Zuhal Demir (N-VA) nicht davon ab, streng mit ihr ins Gericht zu gehen. Sie behält einen Zuschuss über 1,4 Mio. € solange zurück, bis die Universität ihr Stillschweigen über einen Vergewaltigungsfall um einen Professor bricht, der eine Studentin vergewaltigt hat und der deswegen gerichtlich verurteilt wurde.
Nach Vergewaltigungsfall: Flanderns Justizministerin streicht der Löwener Universität einen Zuschuss
„Der Zuschuss wird solange gestrichen, bis zu dem Fall Deutlichkeit und Transparenz herrscht“, so ließ Flanderns Innenministerin Demir wissen. Der Fall kam Ende der vergangenen Wochen in die Schlagzeilen, als die flämische Tageszeitung Het Belang van Limburg (HBL) meldete, dass die Löwener Uni bereits im November 2016 von der Vergewaltigung einer Studentin durch einen Professor der Fakultät für Psychologie und pädagogische Wissenschaften. Und doch dauerte es bis 2018, als die Eltern der jungen Frau Anzeige erstatteten, bis sich die KU Leuven bewegte. Doch seinerzeit durfte der Professor das akademische Jahr noch zu Ende führen. Schon damals war hinter vorgehaltener Hand die Rede davon, dass der Fall bei der Universität unter den Teppich gekehrt werden sollte.
Seit dieser Fall durch die Berichterstattung durch die Zeitung HBL hüllen sich die KU Leuven und deren Rektor Luc Sels in Schweigen und dies brachte Flanderns Justizministerin Demir in Rage: „Die Leute, die davon wussten und darüber weiter schweigen, gehören nicht in die akademische Welt. Als ehemalige Studentin der KU Leuven aber vor allem auch als Bürgerin, erwarte ich mehr als nur ein mausestilles schweigendes Rektorat. Wir müssen hart mit einer Einrichtung umgehen, die eine Vergewaltigung nicht sofort verurteilt.“
Keine Steuergelder bis Klarheit herrscht
Aus diesem Grunde will die Ministerin einen bereits zugesagten Zuschuss in Höhe von 1,4 Mio. € solange einfrieren, bis Rektor Sels Klarheit zur Rolle der Universität in diesem Fall verschafft. Diese Mittel waren für Baumaßnahmen im Rahmen der 600 Jahrfeier der KUL vorgesehen: „Man kann als größte Universität nicht in der ersten Reihe stehen, um flämische Subsidien zu bekommen und sich gleichzeitig verstecken, wenn man seine gesellschaftliche Verantwortung übernehmen muss“, so die Ministerin in der Sonntagszeitung De Zondag: „Solange Rektor Sels keine Deutlichkeit zur Rolle der Universität und zu seiner eigenen Rolle in diesem Fall bietet, werde ich der KUL keine flämischen Steuergelder geben.“
Demir hat viele Fragen, z.B. warum der Professor nicht suspendiert wurde, als der Fall bekannt wurde und dazu, was passierte, nach dem die betroffene Studentin die Universität von ihrer Vergewaltigung durch den Professor unterrichtet hatte: „Überdies ist die Tatsache, dass der Professor noch eine Auszeichnung durch den Rektor bekam, nach dem der Vergewaltigungsfall durch eine offizielle Anklage bekannt wurde, ist ein Schlag ins Gesicht aller Opfer von Vergewaltigungen.“ Die Justizministerin bedauert, dass dies an einer Universität geschehen kann, in der im Rahmen eines Jurastudiums auch Sexualstrafrecht gelehrt wird.
Reaktionen und Urteil
Der frühere KUL-Rektor Rik Torfs plädiert nicht erst seit gestern für eine bessere Kommunikation von Seiten des heutigen Rektorats der Universität. Torfs, der angab, von dem Vergewaltigungsfall nicht unterrichtet gewesen zu sein, will an einer gründlichen Untersuchung der Vorgänge mitarbeiten. Auch Flanderns Bildungsminister Ben Weyts (N-VA) schaltet sich ein und fordert das gesamte Dossier von der Universität dazu ein.
In einer Pressemitteilung lässt die KUL wissen, dass „dieses Dossier die Fakultät für Psychologie und Pädagogik schon lange berührt. Alle fühlen mit dem Opfer und seiner Umgebung mit.“ Weiter geht die Universität nicht auf die Ankündigung von Justizministerin Demir direkt nicht ein, wohl aber auf das Urteil gegen den Vergewaltiger, dass am vergangenen Donnerstag am Gericht in Tongeren (Limburg) fiel.
„Jetzt, wo das Gericht ein Urteil im Fall eines Professors der KUL, der eine Studentin vergewaltigte verkündet hat, gefallen ist, geht die Universität weiter in ihrem Disziplinarverfahren gegen den Dozenten“, so die Pressemitteilung der Uni. Dieses Verfahren könne zur Entlassung des Professors führen. Dieser darf die Universität bereits seit 2018 nicht mehr betreten und darf mit den Studierenden keinen Kontakt haben.
Der Betroffene ist in Tongeren von einem Haftrichter zu 54 Monaten Gefängnis verurteilt worden, sowie zu einer Geldbuße von 27.014 €. Zudem verliert er für die Dauer von 5 Jahren seine zivilen Rechte.
Was sagt die damals betroffene Studentin dazu?
Nach Angaben des Anwalts der 2016 von dem Professor vergewaltigten Studentin zeigt sich diese zufrieden mit der Arbeit der Justiz und der Universität. Der Bemerkung der KU Leuven, dass diese erst spät eingeschritten sei, weil die Justiz darum aus ermittlungstechnischen Gründen gebeten habe, pflichtete sie jetzt über ihren Anwalt bei.
Zudem sei ihr eine gewisse Diskretion in diesem Fall seinerzeit wichtig gewesen. Ins Rollen sei der Vorgang erst 2018 gekommen, als sich ein Mitglied der Familie des Vergewaltigungsopfers bei der Universität darüber beschwert habe, dass der Professor noch immer im Dienst sei.
