Die flämische Landesregierung hat den deutschen Professor Dirk Westermann damit beauftragt, zu untersuchen, ob die Hochspannungslinie Ventilus, die Windstrom von der Nordsee ins Inland transportieren soll, eher unterirdisch verlaufen soll, oder über Hochspannungsmasten. Westermann, Fachmann für Hochspannungslinien an der Universität Ilmenau, soll bis zum 4. November einen Bericht erstellen, den alle Beteiligten, die flämische Regierung und die Bürgermeister der betroffenen Gemeinden in Flandern, akzeptieren wollen.
Ventilus-Hochspannungslinie ober- oder unterirdisch? Deutscher Professor analysiert den Sachverhalt
Ventilus wird das Projekt für den Bau einer Hochspannungslinie genannt, die Elektrizität, die mit den Offshore-Windkraftanlagen in der Nordsee produziert wird, ins Inland befördern soll. Diese Stromlinie verläuft über 82 Kilometer von Zeebrügge aus nach Avelgem in Westflandern, wo es Abzweige ins Hinterland, z.B. in Richtung Wallonie geben wird. Zwischen Brügge und Kortrijk soll sie entlang der Autobahn E403 verlaufen.
Strittig ist, ob diese Stromlinie auf Ebene der Provinz Westflandern ober- oder unterirdisch verlaufen soll. Hier gibt es ebenso Proteste, wie auch in den wallonischen Regionen, wo Ventilus entlanglaufen soll.
Jetzt haben Flanderns Landesenergieministerin Zuhal Demir (N-VA) und der flämische Ventilus-Intendant Guy Vloebergh den Ilmenauer Professor für Gleichstrom- und Starkstromlinien Dirk Westermann damit beauftragt, herauszufinden, welche Art der Leitung die bessere ist: Eine unterirdische Linie, deren Bau sehr kostspielig sein wird oder eine überirdische Linie über Hochspannungsmasten. Dabei geht es u.a. um mögliche negative Einflüsse von Strahlungen auf Mensch, Tier und Umwelt.
Nach Angaben von Landesumweltministerin Demir wollen sich alle Beteiligten an die Schlussfolgerungen von Professor Westermann halten. Ventilus-Intendant Vloebergh ist bisher der Ansicht, dass es so gut wie unmöglich ist, diese Hochspannungslinie mit Gleichstrom unterirdisch verlegen, was zudem extrem teuer ist, im Vergleich mit Hochspannungsmasten.
Die betroffenen Bürgermeister der westflämischen Gemeinden wollen, dass Westermann alle bisher durchgeführten Untersuchungen und Analysen einem „Dubbelcheck“ unterzieht. Die westflämischen Arbeitgeber-, Wirtschafts- und Industrieverbände plädieren für die günstigere Variante. Alles andere, so glauben sie, werde sehr teuer und lasse den über Ventilus geleiteten Strom für den Endverbraucher kostspielig werden.
