Nach jahrelangem Hin- und Her hat Flanderns Umweltministerin Zuhal Demir (N-VA) dem britischen Chemiekonzern Ineos grünes Licht für den Bau eines umstrittenen Ethan-Crackers für die Herstellung von Rohstoffen für chemische Produkte und Kunstoffen im Antwerpener Hafen gegeben. Das „Projekt One“ bringt eine Investition von 3 Mia. € mit sich. Gegen eine erste Genehmigung durch die Provinz Antwerpen für dieses Projekt erhoben rund 600 Bürger Einspruch. Aus diesem Grunde landete die Bau- und Umweltgenehmigung bei der flämischen Nationaldemokratin auf dem Tisch.
Flandern erteilt Ineos für den Bau eines Ethan-Crackers grünes Licht
Dieses Projekt erfülle alle Kriterien der hiesigen Regelungen, so Demir und deshalb erteile sie diesem „Project One“ die Umweltgenehmigung der Provinz. Bei ihrer Beurteilung habe sie besonders ein Augenmerk auf den Stickstoffausstoß gelegt und dieser falle mit 655.000 Tonnen CO² eher gering aus.
Damit wurde, wie die flämische Wirtschaftszeitung De Tijd meldet, zum ersten Mal seit etwa 20 Jahren eine Genehmigung für den Bau eines Crackers auf europäischem Boden erteilt, der aus Ethan Ethylen macht.
Und dies ist mit 3 Mia. € zudem die größte Investition in die Chemieindustrie seit ebenfalls 20 Jahren, hieß es weiter dazu. Ineos hofft jetzt, zügig mit dem Bau beginnen zu dürfen, damit die Produktion ab etwa 2026 anlaufen kann. Nach Unternehmensangaben sorgt das „Project One“ direkt für 450 neue Arbeitsplätze und indirekt für mehrere Tausend zusätzliche Jobs.
Flanderns Grüne sind entsetzt
Obschon Ineos und die flämische Landesregierung versprochen haben, dass sich das Unternehmen an die strengsten Umweltnormen halten werden (dieser Cracker soll den kleinsten Kohlenstoff-Fußabdruck Europas haben), reiben sich die Gegner von „Project One“ die Augen.
Die grüne flämische Parlamentsabgeordnete Mieke Schauvlieghe (Groen) sagte dazu, dass dies eine Investition in eine Industrie aus der Vergangenheit und nicht der Zukunft sei: „Das ist eine total verkehrte Entscheidung. Diese Wahl bedeutet, dass Ineos 30 Jahre lang die Möglichkeit hat, Ethylen zu produzieren. Ethylen wird aus fossilen Rohstoffen produziert. Wir werden also wieder Plastik aus Erdölprodukten herstellen.“
Die flämischen Grünen erwägen, gegen diese Umweltgenehmigung vor dem Rat für Genehmigungsstreitfälle in Berufung zu gehen.


