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Inland
Politik

König Philippe bezeugt sein tiefstes Bedauern: "Das Kolonialregime war von Diskriminierung und Rassismus gekennzeichnet"

In seiner mit Spannung erwarteten Ansprache vor dem kongolesischen Parlament in Kinshasa hat Belgiens König Philippe sein „tiefstes Bedauern“ für die Untaten aus der kolonialen Vergangenheit bezeugt. Er wiederholte damit sein Bedauern, das er vor 2 Jahren in einem Schreiben an den kongolesischen Präsidenten Félix Tschisekedi bezeugte. Doch in seiner Rede vor den Kongolesen ging der belgische König näher auf das ein, was damals geschah und was damals falsch war. Doch zu einer echten Entschuldigung kam es nicht.

Andreas Kockartz
Veröffentlicht:

Die Rede vor dem Parlamentsgebäude in der kongolesischen Hauptstadt Kinshasa war wohl der wichtigste Teil der siebentägigen Reise des belgischen Königspaares in der ehemaligen Kolonie Kongo. 

Wie erwartet, bezeugte der Monarch sein „tiefstes Bedauern für die Wunden aus der Vergangenheit.“ Mit dieser Rede und auch bereits mit dem Schreiben an Präsident Tschisekedi vor 2 Jahren brach König mit der Tradition des Stillschweigens zum Thema Kolonie.

Während der Brief damals die Verbindung zwischen der historischen Unterdrückung während der Kolonialzeit und dem heutigen Rassismus legte, ging König Philippe bei seiner Ansprache in Kinshasa auf das koloniale Regime damals ein: „Dieses basierte auf Ausbeutung und Beherrschung. Auch wenn viele Belgier damals im Kongo ihr Bestes gegeben haben und aufrecht Land und Leute liebten, stützte sich das Regime auf eine an sich nicht zu rechtfertigende Haltung von Ungleichkeit. Es war durch Paternalismus, Diskriminierung und Rassismus gekennzeichnet und gab Anleitung zu Untaten und Erniedrigungen.“

Weiter sagte der König: „Zum Anlass meiner ersten Reise nach Kongo möchte ich gegenüber dem kongolesischen Volk und allen, die heute noch darunter leiden, aufs Neue mein tiefstes Bedauern für die Wunden der Vergangenheit aussprechen.“ Erneut kam keine Entschuldigung für die Gräueltaten während der belgischen Kolonialzeit. Das „tiefe Bedauern“ umschreibt eher eine persönliche Ansicht von König Philippe. Eine offizielle Entschuldigung aber hätte wohl weitreichende juristische Folgen… 

Diplomatischer Drahtseilakt?

Der erste offizielle Besuch des belgischen Königspaars im Kongo ist diplomatisch gesehen kein einfaches Unterfangen. Zum einen zeigte die Rede von König Philippe, wie vorsichtig man sich auch auf royaler Ebene zwischen „Bedauern“ und „Entschuldigung“ bewegen muss. Hinzu kommt noch, dass bald im Kongo gewählt wird. Der belgische Monarch und auch Belgiens Premier Alexander De Croo (Open VLD) müssen auch hier vorsichtig sein, um nicht gleich „als Freunde“ von Präsident Tschisekedi gebrandmarkt zu werden und diese Wahlen zu beeinflussen.

Für den Kongo hingegen ist dieser erste Besuch eines belgischen Königspaars seit 12 Jahren, der auf Einladung von Präsident Félix Tschisekedi erfolgt, eine sehr wichtige Angelegenheit, zumal bald eines der dunkelsten Kapitel der gemeinsamen Geschichte Belgiens und seiner früheren Kolonie abgeschlossen werden kann und soll. Am 20. Juni werden dem Kongo in Brüssel die sterblichen Überreste ihres ersten frei gewählten Präsidenten Patrice Lumumba zurückgegeben. Dabei handelt es sich lediglich um einen Goldzahn, der Lumumba vor 60 Jahren nach dessen Ermordung als Trophäe ausgerissen wurde. 

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