Das sechs Monate alte Mädchen, das gestern in einer Kindertagesstätte in Mariakerke (bei Gent, Provinz Ostflandern) schwer verletzt wurde, ist an seinen Verletzungen gestorben, wie die Staatsanwaltschaft am Freitag bestätigte. Hätte die Justiz früher eingreifen müssen, und war das überhaupt möglich? "Wir sind wirklich enttäuscht von Kind en Gezin (dt.: Kind und Familie, flämisches Jugendamt)", sagt ein Elternteil, das sich bei der Organisation über die Kinderkrippe "'t Sloeberhuisje" (Foto) beschwert hat. ‚Kind en Gezin‘ sagt jedoch, dass es alle Beschwerden ernst genommen hat.
Kleinkind stirbt nach schweren Verletzungen in Genter Kinderkrippe: Hätte man früher eingreifen können?
Die ostflämische Staatsanwaltschaft untersucht, was mit einem sechs Monate alten Mädchen in Mariakerke bei Gent geschehen ist. Das Kleinkind wurde gestern mit einer schweren Hirnverletzung in die Notaufnahme des UZ Gent (Uni-Klinik Gent) gebracht. Das Kind befand sich in akuter Lebensgefahr und starb an seinen Verletzungen, bestätigt die Staatsanwaltschaft von Ostflandern.
Gestern informierte das Krankenhaus sofort die Polizei. Bei den Ermittlungen wurden drei Personen in der Kindertagesstätte 't Sloeberhuisje verhaftet, die bis auf Weiteres geschlossen bleibt. Die Verantwortlichen werden heute dem Untersuchungsrichter vorgeführt, der darüber entscheidet, ob sie festgenommen werden. Es sind die Geschäftsführerin, ihr Vater und ein Mitarbeiter.
Nicht das erste Mal
Bemerkenswert an diesem Fall ist, dass es nicht das erste Mal ist, dass es Beschwerden über die Kindertagesstätte gibt. In den letzten Jahren gab es mehrere Berichte über mangelnde Hygiene und Misshandlung der Säuglinge. Aber auch über eine - gelinde gesagt - grobe Behandlung der kleinen Kinder.
Dies geht aus einer Übersicht über die Beschwerden der letzten Jahre hervor, die von ‚Kind en Gezin‘ selbst zusammengestellt wurde. Die Eltern können bei der Anmeldung ihres Kindes immer eine solche Beschwerdeliste anfordern, auch wenn sie sich dessen oft nicht bewusst sind.
Nach Luft schnappen
Die Liste von gemeldeten Verfehlungen der Kindertagesstätte 't Sloeberhuisje ist alarmierend. Sie enthält Beschwerden über Kinder mit Blutergüssen an Beinen und Kopf, für die es keine Erklärung gibt. Es gibt auch Beschwerden, dass die verantwortliche Person Kinder ins Gesicht geschlagen habe. Der Vater der Geschäftsführerin soll schreiende Säuglinge zum Schweigen gebracht haben, indem er ihnen die Hand auf den Mund drückte. "Das Kind musste nach Luft schnappen", heißt es in der Beschwerde. Ein anderes Kind soll von dem Mann geschlagen worden sein.
Bei ‚Kind en Gezin‘ sagt man, dass man diese Beschwerden immer ernst genommen hat und auch die Pflegeinspektion zur Kindertagesstätte beordert hat. "Wir haben alle Beschwerden immer genau verfolgt", so Sprecherin Nele Wouters.
