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Einmalig: Die Gezeitenmühle von Rupelmonde in Ostflandern kann wieder mahlen

Die Gezeitenmühle von Rupelmonde in der Nähe von Kruibeke in der Provinz Ostflandern ist die einzige Mühle ihrer Art in den Benelux-Ländern, die noch in Betrieb ist. Und sie ist die älteste Gezeitenmühle auf dem europäischen Festland überhaupt. Doch in den letzten Jahren drehte sie nicht mehr, weil dem Wassergraben, der sie mit Wasser versorgt, kein Flutwasser mehr zugeführt werden konnte. Das hat sich glücklicherweise jetzt geändert.

Andreas Kockartz
Veröffentlicht:

Das ist dem Bau einer Bewässerungsschleuse im nahegelegenen Schelde-Deich zu verdanken (Foto unten). Bei Hochwasser in der Schelde läuft der Graben zur Gezeitenmühle wieder voll und diese kann ihre alten Mühlräder kraft des strömenden Wassers in Betrieb setzen. Die Anlage im Deich wurde im Zuge der Arbeiten für den Sigma-Plan durchgeführt. Dieser Plan soll die Deiche in Flandern besser vor Hochwasser und den zu erwartenden klimatischen Entwicklungen schützen.

In Rupelmonde wurde der Deich zwischen der Mündung des Wassergrabens (im alten Flämisch auch „Vliet“ genannt - dieser Begriff hält sich hier bis heute) und einer ehemaligen Schiffswerft im Rahmen dieses Sigma-Plans erhöht und im Zuge dessen wurde hier die Bewässerungsschleuse errichtet.

(Lesen Sie bitte unter dem Foto weiter)

Diese Mühle (Foto ganz oben) ist ein geschichtlich einmaliges Gebäude. Eine Gezeitenmühle wird, wie der Name schon erahnen lässt, durch die Flut angetrieben. Bei Flut wird das zur Mühle gehörende Bassin mit Wasser geflutet und bei Ebbe läuft das Wasser wieder ab. Beim Fluten löst das strömende Wasser das Drehen des Mühlrades der Wassermühle aus. Die Mühle wurde 1187 zum ersten Mal erwähnt und in den Jahren 1516 und 1562 nachweislich erweitert. Sie gehört zum Typ „Spanische Mühle“ und mahlt seit 1924 mit einem zentral angelegten Wasserrad aus Eisen vom Typ „Poncelet“ mit einem Durchmesser von ca. 6 Metern und einer Breite von etwa 1 Meter.

Die Mühle wurde noch bis in die 1960er Jahre von einem professionellen Müller genutzt, der hier Korn gemahlen hat. Heute läuft sie aber nur zu touristischen Zwecken und im Rahmen von Kulturerbe- und Denkmalschutztagen. 2009 wurde das Gebäude restauriert. 

Die gesamte Gegend wird touristisch neu aufgewertet

Inzwischen wird die gesamte Umgebung des Schelde-Deichs um Kruibeke und Rupelmonde herum neu angelegt. Im Zuge der Deicherhöhung werden die alten Treidelpfade erneuert, was den vielen Radfahrern und Wanderern in dieser Region zugutekommt. Das ergibt die schnellste Radverbindung zwischen dem Dorf Rupelmonde und den Poldern von Kruibeke.

Im kommenden Frühjahr folgen die nächsten Arbeitsschritte. Dann werden Gebäude in Rupelmonde, darunter auch die Gezeitenmühle, an das moderne Abwassersystem der flämischen Wasserversorgungsbehörde Aquafin angeschlossen und es werden weitere Wander- und Radwege erschlossen. Nicht zuletzt wird auch das sogenannte „Mercator-Inselchen“ (Foto unten) besser zugänglich und als Ruhezone für Spaziergänger angelegt. Dazu werden u.a. Bänke unter der uralten Trauerweide aufgestellt… 

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